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Gedanken zum Rebstock:
E.R. Heilgenthal verschafft dem Rebstock einen glanzvollen Paradeauftritt. Im Zentrum eines leuchtenden Rahmens schwebt er gleichsam schwerelos im Raum, und wechselnde Farbakzente unterstreichen seine knorrige, zerfaserte und faltige Struktur. Die behutsame Inszenierung hebt seine Stärke und Schönheit hervor und verwandelt ihn in ein Symbol für die Fusion von Natur und Kunst, von Tradition und Innovation. So wird die organische Materie zum Sinnbild des Lebens, das durch Niedergang und Erneuerung geprägt ist.
Grundidee des künstlerischen Schaffens von E.R. Heilgenthal ist die Transformation unbrauchbar gewordenen Materials und dessen Verwandlung in Kunstobjekte. Mit kunstvoll gefalteten alten Büchern, gesammeltem und bearbeitetem Treibholz und ähnlichem hebt er die leblose Materie auf eine andere Ebene und verschafft dem Betrachter einen gänzlich neuen Zugang.

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Laudatio auf E. R. Heilgenthal
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kunstfreunde,
es ist mir eine große Freude und Ehre, heute einige Worte über den Künstler Ernst R. Heilgenthal zu sprechen und sein außergewöhnliches Schaffen zu würdigen.
Ich kenne Ernst seit fast 30 Jahren – wir haben damals in derselben Firma gearbeitet: er als Headhunter, ich als Unternehmensberater. Es war eine Zeit voller Energie und gemeinsamer Projekte, und der Kontakt zwischen uns ist nie abgerissen. Das liegt vor allem an Ernst – einem echten Netzwerker, einem Menschenfreund, jemandem, der Beziehungen aufbaut, pflegt und lebt. Dafür, mein lieber Ernst, möchte ich dir heute von Herzen danken!
Wenn man jemanden so lange kennt, glaubt man, ihn wirklich zu kennen – bis man eines Tages merkt: Da gibt es noch eine weitere, bislang verborgene Seite. Hätte ich Gabriel García Márquez früher gelesen, wäre ich vielleicht gewarnt gewesen. Er schrieb:
„Jeder Mensch hat drei Leben: ein öffentliches, ein privates und ein geheimes.“
Das öffentliche Leben kennen viele, das private einige – doch das geheime Leben bleibt meist verborgen.
Ernst' künstlerisches Wirken war für mich lange Zeit genau dieses geheime Leben. Und das, obwohl ich selbst seit jeher künstlerisch aktiv bin – als Musiker, als Kreativer. Doch erst vor etwa fünf Jahren, bei einem Abendessen bei Ernst zu Hause, kam dieser andere Teil seines Lebens ans Licht: Er führte mich in sein Atelier, zeigte mir seine Werke – und ich war sofort fasziniert. Ich kaufte gleich eines der gezeigten Stücke. Für mich war es ein Beginn – für ihn ein fortwährender Prozess.
Heute sehen wir ihn nun offiziell in seiner Rolle als Künstler. Und ich freue mich, mit Ihnen gemeinsam auf die Werke von E.R. Heilgenthal zu blicken – Werke, die nicht laut schreien, sondern leise berühren.
Heilgenthal ist ein Künstler, der das Unscheinbare sichtbar macht, das Vergängliche veredelt und dem Übersehenen eine neue Würde verleiht. In seinem jüngsten Werk etwa verwandelt sich der Rebstock – ein Stück Natur, gezeichnet vom Leben – in ein schwebendes, fast sakrales Objekt.

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